1. Preis
Nieto Sobejano Arquitectos S.L. Madrid (nietosobejano.com)
Marta Byrne
Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung am 11.6.2004:
Die skulpturale Ausformulierung der Dachlandschaft ist die Besonderheit dieses Projektes. Das neue Dach als Verbindung des Nord- und Westflügels fügt sich behutsam im städtebaulichen Kontext ein, indem es Bezug auf die bestehende, unregelmäßige Dachlandschaft von Süd- und Ostflügel sowie Kapelle nimmt, und gleichzeitig ein Zeichen für die museale Nutzung der Moritzburg nach Außen bildet.
Das Dach mit seinen unregelmäßig geformten, verwinkelten Kanten bildet einen umlaufenden, flachen Kranz über der Mauerkrone und wird durch expressiv geformte Oberlichtbauten gekennzeichnet, ein Zusammenhang, der einen sehr hohen architektonischen Anspruch aufweist.
Der Eingang als vorgesetztes Element übernimmt konsequent die Architektursprache des neuen Daches und schafft dadurch eine erkennbare Eingangssituation am Nordflügel. Die Erschließung erfolgt über einen inneren, an der Nahtstelle zwischen Nordflügel und Westflügel eingebauten neuen Treppenkern und einen externen, neben der fehlenden Bastion angeordneten Treppenturm, der ebenfalls das Thema der Dachlandschaft übernimmt und den neuen Elementen eine Einheitlichkeit und Erkennbarkeit verleiht. Die Lage dieses Treppenturms in Abstand vor dem Südgiebel sowie seine formale Ausbildung werden besonders positiv bewertet.
Im Eingangs- und Foyerbereich werden die dazugehörigen Nutzungen in einen eigenständigen Baukörper einbezogen, der die Außenwände hervorhebt. Die Möglichkeit, hier ein Café-Restaurant anzubieten, ist sinnvoll. Eingangs- und Foyerbereich erscheinen jedoch zu klein für die museale Einrichtung.
Diese Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass die Ruine als Gebäudehülle betrachtet wird. Im Innenraum des Westflügels entsteht ein großzügiger Raum, der die Ruine als eindrucksvolle Gesamteinheit mit einbezieht und durch die Oberlichtbauten besondere Lichtbetonungen erreicht. Die erforderliche Schließung der vorhandenen Fensteröffnungen spielt für den Umgang mit der Ruine eine wichtige Rolle. Seitens der Nutzer bestehen Bedenken bezüglich der für die Ausstellung vorgesehenen Hängewände, die für große Exponate nicht geeignet sind. Hier wären weitere Lösungen zu überprüfen, die die Ruinenwände nicht beeinträchtigen. Darüber hinaus ist die Fläche für die Sonderausstellungen zu klein und soll erweitert werden.
Der vorgeschlagene Ausstellungsrundgang, der im 2. Obergeschoß mit der Feininger-Sammlung beginnt, ermöglicht, alle Bereich über die neuen Treppenkerne zu erreichen. Die Brücke durch den Kaminsaal ermöglicht einen ebenerdigen Übergang von der Crodel-Halle ins obere Gewölbe. Diese Verbindung zerstört jedoch das wertvolle Netzgewölbe. Hier sollte eine Lösung gefunden werden, die das vorhandene Netzgewölbe nicht beeinträchtigt.
Als ein Kritikpunkt ist die für die Dachhaut vorgesehene Zinkbekleidung zu betrachten: Durch die notwendigen Stehfalze würde die Einheitlichkeit und der skulpturale Eindruck der Dachlandschaft beeinträchtig. Hier soll ein Material ausgewählt werden, das eine ebene Ausführung ohne Stehfalze ermöglicht.
Bei der Gestaltung der Außenanlagen sollte darauf geachtet werden, den Bereich zum Fluss hin mit einzubeziehen.
Insgesamt zeigt diese Arbeit einen sensiblen Umgang mit der städtebaulichen Situation, verbunden mit einer sehr individuellen, herausragenden architektonischen Lösung.
Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: Der Entwurf gibt die Einbauten des 19. Jahrhunderts vollständig auf und greift an einer Stelle auch gravierend in ältere Bestände (Kaminraum) ein. Ob ein Erhalt des Netzgewölbes wie beispielsweise in einem anderen Entwurf vorgeschlagen, durch eine Steglösung möglich ist, müsste untersucht werden.
Für den, das Erscheinungsbild wesentlich bestimmenden Bereich der vorhandenen Mauerkrone mit dem neuen Dachrand müsste eine ebenso überzeugende und spannende Lösung gefunden werden, wie sie sich zwischen dem neuen Baukörper „Treppenturm“ im Anschluss an den Bereich des teil zerstörten Südwestturmes ergibt.
Der Eingriff in die archäologische Substanz des Innenhofes bleibt im vertretbaren Rahmen, wobei die gefährdeten Bodendenkmale wissenschaftlich zu dokumentieren sind. Im Grabenbereich bestehen keine grundsätzlichen Bedenken gegen Erdeingriffe, solange eine wissenschaftliche Dokumentation gewährleistet ist.
2. Preis
gernot schulz architektur, Köln/Halle (gernotschulzarchitektur.de)
Gernot Schulz, Britta van Hüth, Michael Krüger, Anke Beckers, Topotek 1, Berlin
Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung am 11.6.2004:
Die Entscheidung, bei der Neuordnung der Raumfolgen von Eingangshalle und Ausstellungsbereichen der Kunst die Bühne zu überlassen, und die architektonischen Eingriffe zurückzunehmen, zeigt in überraschender Weise die großen Qualitäten dieses Ansatzes für die Innenräume. Aus dem Bestand und den Anforderungen an eine heutige Museumsnutzung wird eine klare, übersichtliche Raumfolge vorgeschlagen.
Die Eingangshalle mit dem Hauptzugang liegt ebenerdig und erfolgt über den Mittelrisalit des Westflügels über den Hof. Ein vertikales Foyer bietet ein von der Lichtführung und der Erschließung schönes Raumerlebnis. Von der Eingangshalle werden die Ausstellungsbereiche gut erschlossen. Die beiden neuen Ausstellungsebenen im Westflügel sind abwechslungsreich und veränderbar zu nutzen. Durch den Aufsatz von Glasoberlichtern entstehen besondere Lichtsituationen, die dem obersten Ausstellungsgeschoss, dem vertikalen Foyer und dem historischen Treppenhaus im Bereich der ehemaligen Fechtsäle einen eigenen Charakter geben. Das Oberlicht im Südwesten sollte im Maßstab überprüft werden. Die Anordnung eines Lastenaufzuges über den Standort des ehemaligen Südwestturmes bietet eine gute Versorgung der vier Ebenen und einen weiteren erforderlichen Fluchtweg.
Der Erhalt der historischen Turnhalle ist vorgesehen. Hier ist ein gut überlegter Einbau für Wechselausstellungsflächen gegeben. Diese sind allerdings im Flächenansatz um 200 m² unterschritten, obwohl die Bilanz der Ausstellungsflächen insgesamt erfüllt ist. Bei einer weiteren Bearbeitung wäre hier ein Ausgleich zu suchen.
Der Vorschlag, über der Turnhalle im Nordflügel ein Restaurant mit Dachterrasse und Blick einzurichten, überzeugt, da dieses durch Treppenhaus und Aufzug getrennt erschlossen werden kann. Die Verknüpfungen der Crodel-Halle mit dem oberen Gewölbe im Westflügel und der Anknüpfung an den Haupteingang ist gegeben.
Die Museumspädagogik im ehemaligen Lazarett liegt gut. Für die Technikzentrale wäre eine Ergänzung im Sockel des neuen Süd-Westturmes zu prüfen, um die Länge der Lüftungskanäle zu verringern.
Der behutsame Umgang mit der historischen Bausubstanz überzeugt. Für das spätgotische Treppenhaus ist das Ergebnis der Bauforschung zugrunde zu legen und wenn erforderlich, eine Alternative zu erarbeiten.
Das Raumerlebnis des Hofes bleibt so einfach wie der gesamte Ansatz, Die Sitzbank bietet einen schönen Platz zum Verweilen. Vom Burggraben ist das Burg-Schloss von allen Seiten durch einen Weg erfahrbar. Die Arbeit ist durch die gegebene Wirtschaftlichkeit gut realisierbar. Auch die Betriebskosten werden günstig beurteilt.
Insgesamt zeichnet sich der Entwurf durch seine hohen räumlichen Qualitäten aus.
Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: Der die denkmalpflegerischen Erhaltungsanforderungen respektierende Entwurf (Erhalt u.a. der Bereiche des 19. Jahrhunderts) sieht einen besonders gravierenden Eingriff vor: der ebenerdige Zugang durch das in Resten erhaltene spätgotische Treppenhaus zerstört ein bauhistorisch besonders hoch bewertetes Bauelement in seinen letzten Resten und verfremdet die historische Haupteingangssituation, die immer mit einem Aufgang in das 1. OG im Sinne eines Piano Nobile verbunden war. Auf die besondere Wertigkeit und auf die zu erwartenden Zerstörung bei Zuweisung der Funktion des Haupteingangs wurde bereits in der Auslobung verwiesen.
Im Erscheinungsbild des Äußeren führt die Wiederherstellung des im 20-jährigen Krieg zerstörten Südwestturmes zu einem banalisierenden und ja nur scheinbar geheilten Gesamtbild.
Die Eingriffe in die archäologische Denkmalsubstanz des Innenhofes sind vertretbar, bedürfen jedoch einer wissenschaftlichen Dokumentation. Im Grabenbereich bestehen keine grundsätzlichen Bedenken gegen Erdeingriffe, solange eine wissenschaftliche Dokumentation gewährleistet ist.
3. Preis
schulz & schulz, Leipzig (schulz-und-schulz.com)
Interscene – Thierry Huau, Paris
Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung am 11.6.2004:
Die Verfasser schlagen einen eigenständigen Baukörper aus Holz in Anlehnung an den nicht mehr vorhandenen hölzernen Dachstuhl der Ruine vor. Ähnlich wie aus Dachsparren entsteht aus den eng aneinander gereihten rechtwinkeligen Holzbauteilen ein dreigeschossiger Ausstellungskörper. Dieser Baukörper besetzt den gesamten Westflügel und löst sich deutlich von den Wänden der Ruine ab. Die Klarheit der Form sowohl im äußeren Erscheinungsbild als auch in der inneren Anordnung der Räume überzeugt. Der Baukörper öffnet sich an zwei wichtigen und richtigen Stellen und gibt überraschende Blicke sowohl auf die Stadt als auch auf die Burganlage.
Umgang mit dem Denkmalbestand: Durch die Ablösung des Baukörpers von der bestehenden Burganlage entstehen – bis auf die Entfernung der Fechtsäle – nur geringfügige Eingriffe in den Bestand. Die Ruine bleibt weiterhin erkennbar und erlebbar. Die Verbindung von alter und neuer Bausubstanz wird bewusst vermieden, um die Eigenständigkeit des Neubaukörpers darzustellen.
Freiraumgestaltung: Die Freiraumgestaltung ist nur in Ansätzen erkennbar. kritisch hinterfragt wird die Anordnung des vorgeschlagenen Holzbrett-Rasters im Boden.
Neubau/Erweiterungsbau – Funktion:
Die Auffindbarkeit der Erschließung über die ehemalige Turnhalle wird im Hinblick auf die alleinige Anordnung des Erweiterungsbaus im Westflügel kritisch beurteilt. Auch ist die Trennung von Foyer und Museumscafé/-restaurant nicht praxisgerecht.
Analog zur eigenständigen Form des Erweiterungsbaus erfolgt die innere Erschließung durch interne Treppen, jedoch ohne Berücksichtigung notwendiger Flucht- und Rettungswege. Die Zugänglichkeit für Behinderte ist durch richtig angeordnete Personenaufzüge auf allen Ebenen sichergestellt, wobei auf der Ebene des 1. Obergeschosses in den Lastenaufzug des Erweiterungsbaus gewechselt werden muss. Die Anordnung des Lastenaufzugs in der Mitte des Gebäudes mit der Möglichkeit zur Anlieferung sowohl vom Burghof als auch vom Burggraben an der zerstörten Südwestbastion wird positiv beurteilt.
Das Raumprogramm wird im Wesentlichen erfüllt. Die einfache, offene Bauweise lässt vielfältige flexible Nutzungen zu. Die Beschränkung auf die bereits erwähnten zwei Öffnungen macht die Verwendung von Kunstlicht in sämtlichen Etagen notwendig. Dadurch werden die Möglichkeiten für eine abwechslungsreiche Ausstellungsgestaltung eingeschränkt. Auch wird so eine Ablesbarkeit der Ruine von innen heraus leider nicht ermöglicht. Die Ausstellungsgeschosse im Erweiterungsbau erfordern in der Realisierung eine größere Höhe. Eine größere Höhe des gesamten Baukörpers erscheint jedoch gestalterisch nicht vertretbar.
Realisierbarkeit: Die Absicht der Verfasser durch die Wahl des Baustoffes Holz eine leichte, Gewicht sparende Konstruktion auf die vorhandene Mauerwerkskonstruktion aufzusetzen, wird erkannt und gewürdigt. Die Dauerhaftigkeit der Konstruktion, vor allem im Hinblick auf den hohen Fugenanteil, muss im Einzelnen geklärt werden. Das im Detailschnitt formulierte Blechdach ist in den Ansichten und im Modell nicht dargestellt und würde dem gestalterischen Anspruch der Form zuwider laufen. Die vorgeschlagene Lösung erscheint unter Berücksichtigung gewisser Einschränkungen realisierbar und würde bei Verwendung des Maetrials Holz auch im wirtschaftlichen Bereich liegen.
Insgesamt ein sehr interessanter Beitrag, der sich vor allem durch die sehr eigenständige Haltung des Erweiterungsbaus auszeichnet und dem Gedanken des Kunstmuseums in der Burg entspricht.
Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: Die erforderlichen Eingriffe in die historische Bausubstanz reduzieren sich auf den Westflügel. Der in Bezug auf den Innenhof überlang erscheinende Baukörper dürfte zudem mit einer Höhe von 7 m über der historischen Traufe des Westflügels die Raumverhältnisse des ansonsten kleinteiligen Hofes negativ beeinträchtigen.
Soweit mit dem Entwurf überhaupt mit Eingriffen in die archäologische Denkmalsubstanz verbunden ist, bestehen dagegen keine Bedenken, solange eine wissenschaftliche Dokumentation der bedrohten Bodendenkmale gewährleistet ist.
4. Preis
Konermann Siegmund Architekten, Hamburg (arch-kpsa.de)
Georg Konermann-Dall, Ingo Siegmund
WES & Partner, Hamburg
Wolfgang Betz
5. Preis
Plasma Studio, London (plasmastudio.com)
Dr. Ulrike Hell, Eva Castro, Holger Kehne
Bell Landscape, London
