Auszüge aus dem Auslobungstext:
Rahmenbedingungen
Die Stiftung Moritzburg soll stärker in das Tourismuskonzept des Landes Sachsen-Anhalt und der Stadt Halle als kulturtouristischer Anziehungspunkt eingebunden werden. Die Moritzburg soll zum Anfang- und Anlaufpunkt für regionale und städtische Kulturreisen und Führungsrouten werden, wobei sie ihre Wirkung durch anspruchsvolle Kunstausstellungen, durch Vorträge, Tagungen und Empfänge in den historischen Räumlichkeiten der Burg erzielt, ebenso durch Bildungsangebote für Kinder und Erwachsene und durch Konzerte und Musikfestivals.
Voraussetzung für die Entwicklung zum überregionalen Kulturzentrum in der genannten Form ist die Erweiterung und qualitative Verbesserung der Ausstellungsflächen durch einen Neubau/Erweiterungsbau. Außerdem gilt es, eine Infrastruktur für ein zeitgemäßes, serviceorientiertes Museum mit zentralem Eingangsbereich, Besucherrundgang, Cafe/Restaurant und Museumsshop einzurichten. Die Sanierung und Verbesserung der technischen Ausstattung der vorhandenen historischen Räume für Ausstellungen und Veranstaltungen sind ebenfalls erforderlich.
Die Außenanlagen der Burg (mit Ausnahme des Innenhofs) sind auf der Grundlage der von der Stadt Halle vorgelegten Freiraum- und Erschließungskonzepte zu gestalten.
Die Anlage der Moritzburg selbst wirkt – vom Innenhof aus betrachtet – wie eine Collage aus verschiedenen Stilepochen. Für den Neubau/Erweiterungsbau erwartet der Auslober eine zeitgenössische, moderne Lösung, die den Sammlungsbereich Klassische Moderne aufnehmen wird. Das Verständnis von einem modernen Kunstmuseum in einer historischen Burganlage als Begegnung von Alt und Neue sollte sich auch in der Architektur ausdrücken, wobei die Belange des Denkmalschutzes zu berücksichtigen sind. So sollte einerseits die Ruine weiterhin als Ruine erlebbar bleiben, andererseits sollte die Erweiterung des Kunstmuseums nach außen hin als Zeichen wahrnehmbar sein. Ein separater, singulärer Baukörper neben der Burganlage war ebenso wenig gewünscht, wie eine historisierende Rekonstruktion.
Die Denkmalwertigkeit der Moritzburg bezieht sich auf alle Phasen der wechselvollen Baugeschichte von Baubeginn bis in die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei kann der kurz vor dem 1. Weltkrieg entstandene und seit fast 100 Jahren konstante äußere Zustand mit seiner spätromantischen Ausformung als eine in sich schlüssige Qualität angesehen werden.
Von den Wettbewerbsteilnehmern werden Lösungen zu folgenden Punkten erwartet:
- Entwicklung eines überzeugenden Konzeptes/Gesamtidee für die Moritzburg
- Neubau/Erweiterungsbau für Dauer- und Sonderausstellungen im Kontext der vorhandenen Bausubstanz
- Freiraumkonzept im stadträumlichen Zusammenhang, das einen Rundgang im Bereich des Burgraben beinhalten sollte.
Gesamtkonzept
Für die Stiftung Moritzburg ist eine Gesamtidee zu entwickeln, die auf die vorhandene Bausubstanz in ihrer historischen Vielfältigkeit reagiert. Das schließt zum einen die Gestaltung des erforderlichen Neubauteils für die Erweiterung der Ausstellungsflächen ein, und bezieht sich zum anderen auf ein Erschließungskonzept mit der Neuordnung der bestehenden Ausstellungsflächen.
Die vorhandenen Ausstellungsflächen sind konzeptionell neu zu ordnen und einschließlich neu zu schaffender Ausstellungsflächen so anzubinden, dass sich für Besucher ein verständlicher, nachvollziehbarer Ausstellungsweg ergibt. Insbesondere sind dabei die Ausstellungsebenen des Nord- und Westflügels mit dem Südflügel (und damit auch dem Ostflügel) zu verbinden. Bei der Neukonzeption wird der Positionierung und Gestaltung des Haupteingangs eine entscheidende Rolle zukommen.
Historisch markante Bauteile (Mittelrisalit, Spolien etc.) sollten Museums- und Stadtbesuchern verdeutlicht und vermittelt werden. Das weiteren sollen Schwerpunkte innerhalb der Sammlung, wie z.B. die Halle-Bilder von Feininger oder ein Raum, der die Geschichte der Burganlage erläutert, auf kurzen Wegen erreichbar sein, so dass sie leicht in die Stadtführungen einbezogen werden können.
Erschließung und Servicebereiche
Die bisher unbefriedigende Erschließung der Ausstellungsflächen über drei separate Eingänge in Süd-, West- und Ostflügel ist zu verbessern. Gefordert wie die Schaffung/Akzentuierung eines Haupteingangs mit zentralem Foyer und Servicefunktionen. Hierfür ist die Fläche von ca. 150 m²vorzusehen.
Für den Bereich Restaurant/Café ist eine Fläche von ca. 150 m² vorzusehen. Dieser Bereich soll innerhalb des Kunstmuseums für Besucher leicht erreichbar sein, aber auch unabhängig von den Öffnungszeiten betrieben werden können. Wünschenswert wäre eine attraktive Außensitzfläche.
Neubau Ausstellungsflächen
Insgesamt sind ca. 1500 m² neue Ausstellungsflächen zu konzipieren, aufgeteilt nach Dauerausstellungs- und Sonderausstellungsflächen. Für den Neubau von Ausstellungsflächen bevorzugt die Stiftung die Ruine im Westflügel und den Bereich um die ehemalige Südwestbastion. Dabei soll der Neubau eine funktionale Anbindung an die bestehenden Ausstellungsflächen gewährleisten. Innerhalb der Ausstellungsflächen sind für Sonderausstellungen zwei zusammenschaltbare Module von je 300 m² Fläche – ggf. noch erweiterbar – vorzusehen. Die bisher bestehende Sonderausstellungsfläche mit ca. 300 m² in der Turnhalle kann einbezogen werden.
Der Neubau ist so zu planen, dass die Baudenkmale Moritzburg und Schlossberg 2 wahrnehmbar bleiben und die Uferzone der Mühlgraben-Saale begehbar sein kann.
