Die Moritzburg

Die Moritzburg in Halle zählt zu den eindrucksvollsten spätmittelalterlichen Burganlagen Mitteldeutschlands. Sie wurde als Residenz der Magdeburger Erzbischöfe errichtet. Ihr Name leitet sich daher auch von dem Schutzpatron des Erzbistums, dem Heiligen Mauritius, ab. Typologisch ist sie zwischen wehrhaftem Festungsbau und repräsentativem Residenzschloss einzuordnen.

Als mächtige, von einem tiefen, sumpfigen Graben umgebene Zwingburg erhob sich die Moritzburg mit ihren Türmen einst weithin sichtbar über dem Mühlgraben, einem Seitenarm der Saale. Ihre vierflügelige, leicht trapezförmige Anlage hat eine Ausdehnung von 72 x 85 Metern. Sie wird an ihren Ecken von Rundtürmen gefasst, die ursprünglich hohe Spitzhelme trugen. Zur Stadtseite hin wurden diese Türme als niedrige, wuchtige Kanonenbastionen ausgebildet und durch eine Schildmauer mit Wehrgang verbunden, zur Saale hin gaben sie sich schlank und aufragend, da sie nur Schießkammern aufzunehmen hatten.
Während sich die einzelnen Flügel der Burg nach innen mit großen Fenstern und Portalen, deren Vorhang- und Kielbögen noch der spätgotischen Formensprache verpflichtet sind, zu einem höher gelegenen Hof hin öffnen, geben sie sich nach außen wehrhaft und sind in der Ausschmückung der Zwerchhäuser mit Welschen Giebeln und doppelten Giebelkränzen an den Türmen bereits der Renaissance verpflichtet. Ursprünglich besaß die Burg zwei Zugänge: ein Hauptportal an der Nordseite, das durch ein Wappenrelief des Bauherrn und eine verloren gegangene Statue des Heiligen Mauritius geschmückt war und später geschlossen wurde, und ein Nebenportal als Stadtzugang im Ostflügel, über dem die Figur der Heiligen Katharina steht. Dies ist heute der einzige Zugang zur Burg, deren einzelne Flügel sich im Hof über verschiedene Eingänge erschließen.

Bau- und Nutzungsgeschichte

Den Grundstein der Moritzburg legte 1484 Erzbischof Ernst von Sachsen (1476-1513). Im Mai 1503 hielt er mit seinem Hofstaat Einzug in die neue Residenz. Zu diesem Zeitpunkt war der Bau bis auf die Schlosskapelle weitestgehend vollendet. Die Kapelle wurde 1509 der Heiligen Maria Magdalena geweiht. Unter Erzbischof Ernsts Nachfolger Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545) erhielt die Moritzburg eine überaus repräsentative Ausstattung mit reichen Holztäfelungen, prachtvollen Kachelöfen, prunkvollen Teppichen, Wandmalereien und kostbaren Gemälden der großen Künstler der Zeit, darunter Cranach, Grünewald und Dürer. Im West- und Nordflügel der Burg befanden sich die erzbischöflichen Staatsgemächer sowie private Wohn- und Arbeitsräume. Dazu zählten Räume für die Kanzlei und Kämmerei, private Gemächer, die aus Schlafkammern und Stuben bestanden, auch eine „Wunderstube“, sowie große Säle mit hölzernen Flachdecken auf Stützen im südlichen Bereich der Obergeschosse des Westflügels. Das Sockelgeschoss des westlichen Flügels birgt auf zwei Ebenen große gewölbte Hallen, die über eine lange, nach innen führende Treppe erreicht werden können. Hier waren Hofstube und Silberkammer untergebracht.

1531, keine drei Jahrzehnte nach Vollendung der Moritzburg, begann Kardinal Albrecht südlich des Domes einen „neuen Bau“ mit einem vorgelagerten „Lustgarten“ als zweite Residenz. Mit dieser neuen Residenz schlossen sich Moritzburg und Dom zu einem einzigartigen Renaissance-Ensemble zusammen, das sich eindrucksvoll als Saalefront der Stadt darbot.

Auf Kardinal Albrecht, der 1541 unter dem Druck der Reformation Halle verließ und seinen gesamten kostbaren Besitz mitnahm, folgten weitere Erzbischöfe sowie protestantische Administratoren als Nutzer der Moritzburg. Dann machte das Kampfgeschehen des Dreißigjährigen Krieges sie unbewohnbar. Ihre Besetzer, darunter Albrecht von Wallenstein und der kaiserliche Feldherr Tilly, wechselten vielfach. Während einer Belagerung im Winter 1637 durch sächsische Truppen brach eine Feuersbrunst aus, die den gesamten West- und Nordflügel zerstörte. 1639 folgte die Sprengung der Süd-Westbastion durch die Schweden. Die zerstörten Gebäudeteile wurden nicht wieder aufgebaut. In den folgenden Jahrhunderten ging die originale Ausstattung fast vollständig verloren, so dass sich von den architektonischen Binnenformen kaum etwas erhalten hat. 1680 fiel die Moritzburg durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens an den Großen Kurfürsten von Brandenburg. 1717 hielt das preußische Alt-Anhaltische Regiment unter dem Alten Dessauer in Halle Einzug. Das 1777 zwischen Torturm und Kapelle errichtete Lazarettgebäude ist das bauliche Zeugnis dieser neuen Nutzung als Garnison. Damit begann die Umnutzung und Überbauung der Moritzburg, die ihre Erscheinung bis heute prägt.

Erst in der Romantik richtete sich der Blick wieder auf die Moritzburg, deren Verfall immer bedrohlicher wurde. 1829 schuf Karl Friedrich Schinkel einen Entwurf zum Ausbau der Burgruine als Universitätsgebäude, der eine neogotisch-klassizistische Überbauung der gesamten Anlage vorsah. Aus Kostengründen konnte er nicht ausgeführt werden, stattdessen entstand für die Universität das Löwengebäude. 1843/44 griff der preußische Staatskonservator Ferdinand von Quast die Aufbaupläne erneut auf, doch die Revolution von 1848 verhinderte ihre Weiterentwicklung. Erst nachdem die Einsturzgefahr der Moritzburg immer bedrohlicher wurde, entschloss man sich kurz vor der Jahrhundertwende den Nordflügel für das Institut für Leibesübungen der halleschen Universität mit einer Turn-, Gymnastik- und Judohalle sowie Fechtsälen auszubauen; auch die Maria-Magdalenen-Kapelle ging damals in die Nutzung der Universität über und erhielt 1898 ein rekonstruiertes Netzgewölbe. Das Heidelberger Schloss stand Pate bei den Überlegungen, die Moritzburg neu zu erschließen und damit zugleich die Bauten der Renaissance in Halle ins Bewusstsein zurückzuholen.