Das Büro Nieto Sobejano Arquitectos S.L.
Das spanische Architektenpaar Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano führt seit Ende der 1980er Jahre ein Büro in Madrid. Die beiden Architekten studierten in New York an der Columbia University Architektur und Building Design, redigierten über lange Zeit die spanische Zeitschrift Arquitectura und lehren an der Escuela Superior de Arquitectura de Madrid. Ab Wintersemester 2008 wird Enrique Sobejano auch an der Universität der Künste Berlin unterrichten.
Nachdem Nieto Sobejano 2004 als Sieger aus dem Wettbewerb der Stiftung Moritzburg hervorgegangen sind, haben sie acht weitere Wettbewerbe gewonnen und sind für mehrere ausgeführte Bauten mit Anerkennungen ausgezeichnet worden. Zu ihren neuen Projekten gehören die Erweiterung des Museums San Telmo in San Sebastian, ein Kongresszentrum für die Expo 2008 in Saragossa, das Rioja Wein Center in Logroño, eine Erweiterung des Kaufhauses Kastner & Oehler in Graz mit einer neuen Dachlandschaft, das Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Cordoba, die Erweiterung des Landesmuseums Joanneum in Graz, das Interaktive Historische Museum von Lugo und das Sportcenter Barceló in Madrid. Das von ihnen entworfene archäologische Ausstellungsgebäude der mittelalterlichen Ruinenstadt Madinat al Zahra in Cordoba steht unmittelbar vor der Eröffnung.
All ihre Projekte, die Moritzburg wie auch die folgenden, zeigen konsequent eine Haltung, bei der die historischen, meist vielschichtigen Bedeutungen des Ortes aufgegriffen und künstlerisch verarbeitet werden. So gelingt es, im Kontext historischer Bauten kluge und feine Antworten zu finden und die Formen der Vergangenheit mit der Gegenwart zusammenzuführen. Auffallend ist die reduzierte Gestaltung, die mit einfachen aber qualitätvollen Materialien arbeitet, das Gespür für spannungsvolle Räume, die den Erlebniswert der Architektur steigern: „Es ist die besondere Qualität der Bauten von Nieto Sobejano, dass dieses Erlebnis ihrer Architektur stets auf vielfältige Weise wirksam wird. Es entsteht eine poetische Baukunst, bei der komplexe räumliche Strukturen und die plastische Ausformung der Gebäude ebenso mit der Materialwahl zusammenspielen wie mit der Geschichte des Ortes.“ (Jürgen Tietz im Katalog Nieto Sobejano, arquitectura concreta, Galerie Aedes, Berlin 2008)
www.nietosobejano.com und www.aedes-arc.de
Interview Enrique Sobejano
Fuensanta Nieto & Enrique Sobejano
Was waren die Leitgedanken für den Entwurf im Projekt Moritzburg?
Die Moritzburg war im Laufe der Geschichte, neben den Zerstörungen des 30
jährigen Krieges, ständigen baulichen Veränderungen und Ergänzungen
unterworfen, die das Architekturverständnis der jeweiligen Zeit wiederspiegeln.
Trotz dieser zahlreichen Veränderungen sind die prägenden Architekturelemente der
Gesamtanlage erhalten geblieben.
Die fundamentale Frage, die sich uns stellte, war, wie können wir in einer zeitgemäßen Architektursprache auf dieses historische Gebäude antworten.
Im Laufe des Entwurfsprozesses kristallisierte sich eine einzige klare, architektonische Idee heraus: aus der Notwendigkeit eine neue Überdachung für den Westflügel zu schaffen, formte sich die Idee, eine Dachlandschaft für Nord- und Westflügel auszubilden. Das Dach kann wie eine Art gefaltete Plattform verstanden werden, die sich hebt und senkt, um natürliches Licht in die Räume zu lenken und von der die neuen Ausstellungsräume abgehängt werden. Als Konsequenz dieses Gedankens werden die Obergeschosse des Nord- und Westflügels von allen Einbauten befreit, so dass ein zusammenhängender Raum entstehen kann, der neue Ausstellungsmöglichkeiten erlaubt.
Gibt es ähnliche Bauprojekte von Nieto Sobejano (mit einer ähnlichen Philosophie) auf die Sie verweisen können?
Viele unserer derzeitigen Projekte stehen in bedeutendem historischen Kontext.
Uns interessiert es besonders einen Dialog zwischen alt und neu herzustellen, wobei
jedes Projekt durch den spezifischen Ort und sein Programm besonders ist.
Beim Castillo de la Luz auf den Kanarischen Inseln bestand der Schlüssel des
Projektes aus dem Freilegen der ursprünglichen Mauern des Kastells, die über
Jahrhunderte unter der Erde verborgen waren. Zwei Materialien - Kortenstahl und
Sichtbeton- setzen sich von den alten Natursteinmauern ab.
In der Erweiterung von Kastner und Öhler in Graz, wird, einem präzisen
architektonischen Gestaltungsprinzip folgend, ein neues Dach aus großen
Oberlichtern geformt, welches Bezug auf die einzigartige, unter dem Schutz der
Unesco stehende Grazer Dachlandschaft nimmt.
Aber diese Herangehensweise findet sich nicht nur in Projekten der Erweiterung
historischer Gebäude wieder.
Beim neuen archäologischen Museum Madinat al Zahara in Cordoba, welches
nahezu fertiggestellt ist, basiert die Idee des Entwurfes auf dem Bild der
archäologischen Ausgrabung: das Gebäude erscheint, ebenso wie die Reste der
alten arabischen Stadt, wie von den Archäologen ausgegraben.
Was ist für Nieto Sobejano der besondere Reiz am Vorhaben Moritzburg?
Bei der Moritzburg interessierte uns mehr noch als die Beziehung zwischen neuer Architektur und historischem Gebäude, wie man einen Dialog zwischen der
Formensprache des Expressionismus herstellen kann, speziell der Formensprache Lyonel Feiningers, der sein Atelier in der Moritzburg hatte und in dieser Zeit den wundervollen Zyklus der Halle-Bilder malte. Wir fragten uns, wie wir eine Sprache aus der Malerei in eine architektonische Sprache übersetzen und gleichzeitig räumlich ausdrücken könnten.
Wie steht das Büro zum Umgang mit historischer Bausubstanz?
In ein historisches Gebäude einzugreifen, bedeutet immer vor dem Eingriff in Raum
und Zeit eine gewisse Haltung anzunehmen. Wenn wir in ein Werk der
Vergangenheit eingreifen, finden wir uns damit konfrontiert, dass das Gebäude an
sich eine unglaubliche Kraft ausstrahlt. Es vermittelt den Eindruck, dass es über sehr
viel längere Zeit seine eigenen Transformationen durchlebt, vielleicht sogar schon
abgeschlossen hat.
Im Bestand zu entwerfen bedeutet für uns, fähig zu sein ein Gebäude zu lesen, wie
die Summe verschiedener Texte und Anmerkungen. Wenn man ein Gebäude wie ein
Buch versteht, welches aus mehreren Geschichten besteht, so kann eine
Transformation oder Erweiterung des bestehenden Gebäudes als ein weiteres
Kapitel der Geschichte in einem Text, verstanden
werden, der niemals vollständig sein wird.
Wie würden Sie argumentieren, wenn ein Kritiker anmerken würde: die Dachkonstruktion auf dem historischen Gebäude sieht wie eine Wellblechhütte aus?
Die Architektur lässt immer verschiedene Meinungen, Interpretationen zu.
Für uns repräsentiert das neue Dach eine moderne Antwort auf die Ergänzung der
bestehenden Dachlandschaft, die Anlehnung an die Formensprache des
Expressionismus, sowie die Lenkung von natürlichem Licht in die Ausstellungsräume
und in die historischen Räume der Ruine.
Welche Aussage soll der Bau nach Fertigstellung haben? Spiegelt die Moritzburg den Architekturdiskurs von heute?
Wir vergessen oft, dass das derzeitige Bild der Burg, bereits ein Resultat zahlreicher
Additionen und Modifikationen ist, die im 19. und 20.Jahrhundert stattgefunden
haben, teilweise wurden dabei die Architektursprachen der Vergangenheit imitiert.
Die neue Bedachung soll die Erneuerung des Museums Moritzburg und die
Einbindung ins 21. Jahrhundert symbolisieren.
Wie würden Sie den Bau im Vergleich zu anderen jüngeren Museumsbauten einordnen?
Wir glauben, dass die Erweiterung des Museums Moritzburg die derzeitige Debatte
um zeitgenössische Architektur wiederspiegelt.
Auf der einen Seite stellt die Moritzburg ein Beispiel zwischen neuer Formfindung
und räumlicher Konzeptfindung dar, auf der anderen Seite das Respektieren und die Verknüpfung mit Geschichte.
Es ist diese Gratwanderung zwischen Bewahren und Erneuern, die unsere Arbeit als Architekten zum Ausdruck bringen möchte.
Herzlichen Dank für das kurze Interview Herr Sobejano.
Dr. Jürgen Tietz
Strukturen mit Raumerlebnis
Die Architektur von Nieto Sobejano
„So wie nun die Beschaffenheit der Länder, nach Verschiedenheit ihres Abstandes vom Thierkreise und der Sonnenbahn verschieden ist, so müssen auch, nach Verschiedenheit der Weltgegend oder des Klimas, die Gebäude verschieden angelegt werden.“
Bald tausend Jahre nachdem der antike Architekturtheoretiker Vitruv sich im ersten Kapitel des sechsten Buches seiner Baukunst der „Anlegung der Gebäude in Ansehung der besonderen Beschaffenheit des Ortes“ gewidmet hatte, errichtete Abd al-Rahman III., der Kalif von Córdoba, seine Palaststadt Madinat al-Zahra in diesem Sinne. Dennoch überdauerte sie keine 100 Jahre, bis sie bereits wieder zerstört wurde. Es verstrichen erneut tausend Jahre, ehe man den sagenumwobenen Ort zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckte und erste Ausgrabungen begannen. Und wiederum hundert Jahre dauerte es, ehe Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano nun ihr neues Ausstellungsgebäude für die mittelalterliche Ruinenstadt errichtet haben. Der Augenblick und die Ewigkeit, in Madinat al-Zahra – „der glänzenden Stadt“ – fallen sie in eins.
Die Schönheit dieses Ortes aber ist bis heute spürbar: In leichter Hanglage errichtet, breitet sich der Blick von der einstigen Palastanlage über eine malerische Ebene aus, bis nach Córdoba, das im milchigen Licht der Sonne schimmert. Wie in einen Teppich ist das neue Museum von Nieto Sobejano in die Landschaft eingewoben - eine zurückhaltende Struktur aus weißem Beton und rotem Cortenstahl. Zum größten Teil in die Erde eingegraben und von Olivenbäumen umstanden, sind seine schattigen Räume und lichten Patios zu einer komplexen Raumstruktur zusammengebunden. Wege und Blickachsen vernetzen sich, wahren dabei die notwendige Übersichtlichkeit und sorgen zugleich für Überraschungen. Wer würde schon einen so großen Ausstellungsraum in einem Baukörper vermuten, der von außen nur kapp mannshoch aus der Erde ragt?
Und der genius loci?
Es ist charakteristisch für die Architektur von Nieto Sobejano, dass sie den Ort und seine Geschichte in ihr Gebäude einfließen lassen. Ihre Haltung ist dabei dank der hohen künstlerischen Qualität des Entwurfs weit entfernt von dem engen formalistischen Korsett architektonischer Kopien. Vielmehr ist es ein ebenso inspirierter wie inspirierender Übersetzungsprozess, wenn sich die weiß-rot verputzten Wände des mittelalterlichen Madinat al-Zahra in veränderter Materialität im weißen Beton und dem roten Cortenstahl wieder finden, wenn sich der Dialog der engen Gassen und Patios auch auf die Museumsstruktur überträgt und dabei den neuen Formen und Funktionen der Gegenwart anpasst.
Es ist diese Idee, die Qualität des Ortes weiterzuentwickeln, sie künstlerisch zu transformieren und sie dabei doch spürbar zu belassen, die sich auch am Kongress- und Ausstellungszentrum in Mérida wiederfindet. Die Gassen und Bauten der in römischer Zeit gegründeten Stadt zeichnen sich als abstraktes Muster auf der Betonfassade ab, verleihen ihr ein Relief und betten den Ort zugleich in seine Geschichte ein. Dabei könnte die Architektur des Kongress- und Ausstellungszentrums kaum gegenwärtiger sein. Seine beiden Kuben sind durch eine erhöhte Terrasse mit Stadt- und Flussblick verbunden. Rund 1000 Besucher finden in dem multifunktionalen Veranstaltungsraum Platz. Eine Ausstellungsfläche im Sockelgeschoss bindet ihn an den zweiten, kleineren Veranstaltungsraum an. Sobald dessen bewegliche Rückwand hinabfährt, öffnet sich für die Besucher der Blick auf jenes Mérida, dessen Stadtgrundriss ihnen bereits an der Fassade begegnet ist. Dann wechselt der Dialog zwischen Architektur und Ort von der abstrakten Fassadenebene auf die konkrete Wahrnehmungsebene.
Dieser künstlerische Transformationsprozess, der die Lesbarkeit von Ort und Gebäude stets aufs Neue auslotet, bestimmt auch den neuen Ausstellungsflügel der Moritzburg in Halle. Seit dem Dreißigjährigen Krieg eine Ruine, gewinnt der rückwärtige Teil des Gebäudes nun eine neue Qualität: Über dem alten Mauerwerk wächst eine Dachlandschaft empor, die die kubisch-expressiven Bildwelten des Bauhausmeisters Lyonel Feininger reflektiert und zugleich ein völlig neues Raumerlebnis schafft.
Nieto Sobejanos Hinwendung zu komplexen additiv erweiterbaren Strukturen zeigt sich bei den Projekten für das Rioja Wein Center in Logroño und ihrem Entwurf für das neue Center für zeitgenössische Kunst in Córdoba: Es ist eine Struktur aus unterschiedlich großen polygonalen Räumen, die auf ein Grundelement zurückzuführen ist und sich zudem als Muster an der Medienfassade wieder findet. Ein bis ins Unendliche fortsetzbares Grundmodul – ganz ähnlich wie bei der berühmten Mesquita, der mittelalterlichen Moschee der Omajiaden in Córdoba, die gleich jenseits des Flusses liegt. Stück um Stück wurde sie in die römische Stadt hineingebaut, unter steter Wiederholung des einmal gefundenen Rasters. Und selbst die Kathedrale, die aus der Mesquita emporwächst und den einstigen islamischen Kultbau in einen christlichen transformierte, hat sich dieser vorgegebenen Struktur unterworfen.
Dem Museum in Córdoba liegt der gleiche faszinierende künstlerische Abstraktionsprozess zugrunde, der auch die neue Dachlandschaft des Kaufhauses Kastner und Öhler mit der kleinteiligen Dachlandschaft des Welterbes in Graz verbindet. Als Leitmotiv wird er auch in der innigen Verschmelzung zwischen Topographie, historischem Gebäudebestand und der Erweiterung von Nieto Sobejano beim Museum San Telmo in San Sebastián spürbar.
Beim Kongresszentrum Aragoniens für die EXPO 2008 in Saragossa, gab es diese Möglichkeit einer unmittelbaren Bezugnahme nicht. Stattdessen haben Nieto Sobejano auf dem komplett neu bebauten Ausstellungsgelände eine markante Architekturplastik geschaffen, deren steile, gegeneinander versetzte Dachlandschaft selbst zum Markenzeichen wird. Ihr weißes Betonraster der Dachschrägen ist dabei mit dreieckigen Keramikfliesen gefüllt, die je Sonnenstand und Lichteinfall eine unterschiedliche Wirkung entfalten. Ergänzt wird diese aus dem Muster geborene räumliche Figur durch die Struktur der Paneele aus Metallgittern. Sie legen sich wie eine zweite Haut vor die gläserne Fassade und brechen dank ihrer überschaubaren Abmessungen den Maßstab des großen Gebäudes auf ein menschliches Maß herunter.
Neben der abstrahierenden Reflektion und künstlerischen Interpretation des Ortes, dem Entwurf von Mustern und Strukturen, wird in Saragossa noch ein weiteres Element erkennbar, das für die Bauten Nieto Sobejanos bestimmend ist: ihr Umgang mit dem Raum. Der tief herabgezogenen Eingangszone des Gebäudes, über der sich die mächtige Dachlandschaft wie ein Gebirge empor türmt, folgt das hochstrebende Foyer. Eine verwandte Raumgestaltung haben die Architekten in Mérida verwirklicht. Anstelle eines vereinheitlichenden Gleichmaßes gestalten sie niedrige Räume sehr niedrig, so dass die Höhe der anschließenden Räume als befreiende Öffnung spürbar wird. Architektur wird so zu einer unmittelbar erlebbaren Raumkunst. Es ist die besondere Qualität der Bauten von Nieto Sobejano, dass dieses Erlebnis ihrer Architektur stets auf vielfältige Weise wirksam wird. Es entsteht eine poetische Baukunst, bei der komplexe räumliche Strukturen und die plastische Ausformung der Gebäude ebenso mit der Materialwahl zusammenspielen wie mit der Geschichte des Ortes. Diese einzelnen Elemente ergänzen einander und verschränken sich zu einem spannungsvoll dichten Gewebe in Raum und Zeit. Von den schattigen Büros des Kultur-Centers in Cáceres, die sie in die Bogenstruktur einer Halle aus den 1950er Jahren eingefügt haben, bis hin zu dem neuen Stadtbaustein des Barceló Marktes in Madrid wird die kraftvolle Architektur von Nieto Sobejano so zu einem architektonischen Erlebnis einer qualitätvollen zeitgenössischen europäischen Moderne.
Michael Zajonz
Dynamische Gebirge aus Beton und Keramik
Sie sind auf dem Sprung, Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano vom Madrider Architekturbüro Nieto Sobejano. Mit ihren im Bau befindlichen oder schon realisierten Projekten in San Sebastian, Cordoba und Saragossa, in Halle und Graz erobern sie derzeit die Topliste europäischer Architekten, Zudem wird Enrique Sobejano ab Herbst an der Berliner Universität der Künste lehren. Höchste Zeit, dass die Berliner Architekturgalerie Aedes den Spaniern eine Ausstellung widmet. In einigen Monaten wird man auch von Berlin aus beque, am Beispiel des Hallenser Museums Moritzburg erleben können, was die Qualität von Nieto Sobejano ausmacht: so selbstbewußte wie intelligente Ergänzungen im historischen Bestand, dramatische Innenräume, skulpturale Dachlandschaften. Eine Handschrift, prägnant ohne Gefahr zu laufen, zum Modegag zu verkommen. Der Weg „zu einer sinnlichen Beaukunst, einem spannungsvollen architektonischen Gewebe in Raum und Zeit“, so Ausstellungskurator und Tagesspiegel-Autor Jürgen Tietz im Katalog. Für Saragossa entwarfen Nieto Sobejano das Kongresszentrum der diesjährigen Expo: ein dynamisches Gebirge aus Beton, Glas und weißen Keramiktafeln, das sich dennoch problemlos in das Stadtgefüge eingliedert. Und gerade bei ihren Projekten für Deutschland und Österreich zeigt sich, was der Architektur hierzulande allzu oft abgeht: ein wenig mehr Mut zum Abheben.
Erschienen im Tagesspiegel, 14.5.2008
