Eine Krone für die Stadt. Walter Gropius im Wettbewerb
Januar bis März 2009

Im Jahr 1927 schrieb die Stadt Halle einen bemerkenswerten Architekturwettbewerb aus: Auf dem Lehmanns-Felsen sollte als neues, signifikantes Zentrum der Stadt eine monumentale Stadtkrone mit Stadthalle, Konzerthalle, Museum und Sportanlagen entstehen. Die Idee ging zurück auf Bruno Taut, der entsprechende sozialutopische Visionen nach 1919, als sich eine Gruppe fortschrittlich gesinnter Architekten im „Arbeitsrat für Kunst“ zusammenschloss, entwickelte. Im Zentrum der Stadt wünschte er sich einen gläsernen Tempel der Gemeinschaft als neuen Mittelpunkt einer freien Gesellschaft. Im „roten Halle“ fanden diese Ideen früh ihren Widerhall. Mit dem Wettbewerb im Jahr 1927, den die Presse als „Akropolis von Halle“ betitelte, sollte diese Utopie gebaute Wirklichkeit werden.

An dem Wettbewerb beteiligten sich die bedeutendsten deutschen Architekten der Klassischen Moderne: Walter Gropius, Hans Poelzig, Peter Behrens, Emil Fahrenkamp, Paul Bonatz und Wilhelm Kreis. Auch reichten zahlreiche lokale Architekten und Künstler, darunter Paul Thiersch und Karl Völker, Entwürfe ein. Realisiert wurde keiner der Vorschläge und der Wettbewerb geriet über die Jahr¬zehnte vollständig in Vergessenheit. Es haben sich jedoch von den meisten Teil¬nehmern zahlreiche Originalpläne erhalten. Allein von Walter Gropius existieren noch 15 Entwürfe, von Peter Behrens wurden im halleschen Stadtmuseum kürz¬lich sechs Originalentwürfe aufgefunden, die bislang als verloren galten, von Hans Poelzig sind im Architekturmuseum der TU Berlin 10 Originalzeichnungen vorhanden. Insgesamt werden in der Ausstellung 44 Originale und 8 Reprints sowie Rekonstruktionen der wichtigsten Modelle gezeigt. Sie wird begleitet von einem Katalog mit mehreren wissenschaftlichen Beiträgen.

Im Rahmen der Ausstellung sollen diese einmaligen Architekturzeichnungen erstmals öffentlich präsentiert und analysiert werden. Im Mittelpunkt wird dabei der Entwurf „Hängende Gärten“ von Walter Gropius stehen, sowie die Planungen von Peter Behrens und Hans Poelzig. Im Kontext der anderen eingereichten Wettbewerbsbeiträge kann mit diesem Material ein weitgehend neuer Blick auf die hallesche Kultur- und Architekturpolitik geworfen werden.

Zurück in Amerika. Lyonel Feininger. 1937 – 1956.
April bis Juni 2009

Das Jahr 1937 brachte für Lyonel Feininger (1871-1956) einen tiefen Einschnitt: Unter dem Druck der nationalsozialistischen Kulturpolitik verließ er Deutschland, seine über alles geliebte Wahlheimat, die ihn künstlerisch geprägt und ihm Anerkennung gebracht hatte, und kehrte in die Vereinigten Staaten, das Land seiner Geburt, zurück. Sein Spätwerk, für das ihm noch fast zwanzig Jahre blieben, galt lange Zeit als ein weniger bedeutender Epilog seiner künstlerischen Arbeit. Es ist in Deutschland nahezu unbekannt – auch wenn einige Gemälde vor zehn Jahren in der großen Berliner Retrospektive gezeigt wurden. Noch immer harrt dieses Spätwerk seiner Entdeckung und verlangt eine eingehende Würdigung. Es ist ein Werk von ungebrochener künstlerischer Kraft, ein Finale (Peter Selz), wie es nur wenigen Künstlern im Alter gegeben ist.

Feiningers Neuanfang in Amerika begann mit einer schweren Krise: einer zweijährigen Schaffenspause. Die sich rapide verschlechternden Verhältnisse im nationalsozialistischen Deutschland hatten seine Arbeit schon vor seinem Weggang stark beeinträchtigt. Trotz großer Hoffnungen, die Feininger in das Land setzte, wo „Freiheit und Phantasie“ noch immer etwas galten, konnte er zunächst aus seiner neuen Umgebung keine künstlerischen Impulse gewinnen – die Motive, so seine Worte, genügten seiner inneren Vorstellung nicht. Sein erstes Gemälde, das 1939 entstand, war ein Erinnerungsbild an Deep und die Ostsee – ein Bild von „Nimmermehr-Land“ (Coast of Nevermore), wie er eine ähnliche Küstenlandschaft später einmal nannte. Seinen damaligen Zustand umriss Feininger 1939 in einem Brief an seinen Sohn Lux mit den folgenden Worten: “Am Anfang litt ich sehr unter dem Gefühl des Fremdseins. Aber jetzt fühle ich nur noch einen gewaltigen Vorteil, der darin liegt, dass ich so lange in Europa war. Von daher bezieht meine Arbeit ihre Stoßkraft.“

Bald darauf, 1940, gelang Feininger mit den Manhattan-Bildern von den New Yorker Hochhäusern und Straßenschluchten, in denen er das Erlebnis „Wolkenkratzer“ festhielt, abermals eine bedeutende, lang anhaltende Bildserie. In diesen Werken suchte und fand er die Auflösung des atmosphärischen Raumes zugunsten einer – seiner – Vision. Mit ihnen bildete sich sein Altersstil heraus, der räumliche Wirkungen und präzise Formen zunehmend aufhob und die einzelne Linie zu Strukturen der Linearität entwickelte. Viele der nachfolgenden Bilder sind „Grenzbilder“ zwischen Wirklichkeit, Traum, Märchen und Vision, in denen ihn die reine Intuition zu immer stärkeren Abstraktionsgraden führte.

Die Ausstellung konzentriert sich ganz auf das amerikanische Spätwerk und wird etwa 100 Gemälde, Aquarelle und Lithographien aus den Jahren 1939 bis 1956 umfassen. Darüber hinaus werden exemplarisch einige frühe, in Deutschland entstandene Werke gezeigt, um Herkunft und Entwicklung einzelner Motive beispielhaft zu belegen.

Georg Friedrich Händel im Bilde. Künstlergenie, Gentleman und Denkmal
April bis Juni 2009

Schon zu Lebzeiten genoss Georg Friedrich Händel den Ruf eines Klassikers. Bereits 1738 wurde ihm zu Ehren in Vauxhall Gardens ein Denkmal errichtet, und John Mainwarings 1760, ein Jahr nach Händels Tode unter dem Titel Memoirs of the Life of the Late George Frederic Handel erschienene Lebensbeschreibung, die Johann Mattheson ins Deutsche übersetzte, gilt als erste Musikerbiographie überhaupt. Diese Monumentalisierung des Künstlers vollzieht sich aber nicht nur in der Literatur und der Ehrung als denkmalwürdige Figur im öffentlichen Raum, sie findet sich ebenso in seinen überlieferten Bildnissen.

Die Ausstellung möchte sich im Jahr des 250. Todestages von Georg Friedrich Händel der Figur des Komponisten unter dem Titel „Händel im Bilde“ annähern. Ihr Ziel ist es, die wichtigsten Portraits von Händel in der Moritzburg in Halle zu versammeln und sie, ergänzt um Freunde, Partner sowie Zeitgenossen und in Gegenüberstellung zu einigen prägnanten Vorbildern in ihrer Typologie und Bedeutung zu erschließen.

Allerdings soll diese Schau nicht nur eine hochkarätige Händel-Bildergalerie im Sinne einer historischen Ausstellung sein, sondern überdies versuchen, mit den Händel-Bildnissen das Fremdbild und das Selbstbild des Künstlers in den Blick zu nehmen. Händel gilt als einer der meistportraitierten Musiker seiner Zeit. Der berühmte Londoner Gesellschafsmaler Thomas Hudson bannte ihn gleich mehrmals ins Bild. Neben Gemälden gibt es unzählige Stiche, die ihn in der Pose des Gentleman, des Künstlers und des Komponisten zeigen, Denkmäler ehrten ihn auf öffentlichen Plätzen. Diese zahlreichen Darstellungen machen es möglich, am Bilde Händels Bildaussagen, Gesten, Ähnlichkeiten kritisch zu prüfen und auf diese Weise Händel als Denkmal zu analysieren. Wie wird Händel in seiner Zeit wahrgenommen, gibt es überhaupt Händel-Bilder nach dem Leben? Was folgt künstlerischer Typologie, was ist Staffage, was ist gängige Pose, was ist in den Darstellungen der Repräsentation geschuldet? Aber auch: Wo und wie wird Händel im Bild als Mensch sichtbar?

Ergänzt werden die repräsentativen Gemälde und Stiche durch flankierende Themen wie Karikatur, Plakatkunst und Fotografien seiner Denkmäler, mittels derer der amüsiert kritische Blick der Gesellschaft auf den Komponisten sowie die Rezeption seines Portraits in den folgenden Jahrhunderten, auch im Dritten Reich und in der DDR in ausgewählten Beispielen vorgestellt wird.